Hallo Rainer,
mit einigen Begründungsverschiebungen sehe ich das ähnlich kritisch und werde voraussichtlich vorerst keine / nur wenige Kredite mit “Currency Exchange Loss: Possible” vergeben.
Quote from RainerD on June 26, 2009, 00:24
Was ich jetzt nicht nachvollziehen kann ist:
1. Ich trage den Währungsumtauschverlust EUR-USD
2. Ich trage das Risiko auf mein “Kapital”, das ich dem “entrepreneur” leihe.
3. Ich trage das Risiko des Kapitalverlustes durch das jeweilige Land (sind ja oft nicht gerade “sattelfeste” Regierungen dort, oder es ist ein (ehemaliges) Kriegsgebiet, usw.
1. Kann sich – trotz mieser Paypal- oder Kreditkartenkurse – allerdings auch positiv auswirken.
Hinzu kommen aber noch:
4. Das Geld wird durch Inflation ohnedies weniger “wert”.
5. Es besteht das Risiko, dass der Mittler – MFI – pleite geht oder dass dort Geld unterschlagen wird etc. Kiva hat im Regelfall keine Sicherheiten für das Geld, das die MFIs erhalten.
Jetzt soll ich auch noch das Währungsrisiko der MFI’s tragen ? Was habe ich mit denen zu schaffen ? Wenn ich denen was spenden will, mache ich das direkt.
Naja… zum einen geht es nur um das Währungsrisiko oberhalb von 20%, “kleinere” Schwankungen trägt die MFI also selbst, und zum anderen haben wir mit denen eine ganze Menge zu schaffen, dient unser Geld doch letztlich immer dazu, den MFIs einen größeren Handlungsspielraum zu verschaffen und – durch die Zinsfreiheit – ihre Arbeit wirtschaftlicher und zukunftsträchtiger zu machen. Letztlich fördern wir mit Kiva-Krediten also immer schon die MFIs in wenigstens dem gleichen Umfang wie die einzelnen Kreditnehmer.
Abgesehen davon gebe ich Dir aber insoweit Recht, als die “currency risk”-Option uns ein weiteres Stückchen von den Kreditnehmern entfernt, da sie – jedenfalls im Normalfall – davon, dass wir dieses zusätzliche Risiko übernehmen, nicht oder nicht unmittelbar profitieren werden. Theoretisch könnte die MFI die Zinsen für ihre Kiva-Klienten ein Stückchen senken, da ein Teil des (vermutlich eingepreisten) Währungsrisiko-Aufschlags entfällt, aber ich bezweifle, dass das passiert, zumal Kiva-Klienten und nicht-Kiva-Klienten in vielen Fällen wohl die gleichen Konditionen kriegen.
Auch wenn das Microfinancing ist, sind das doch ganz normale Banken. Banken können seit Jahrhunderten mit Währungsschwankungen umgehen … das ist knallhartes Business.
Ein Problem ist sicherlich, dass die MFIs oft wesentlich kleiner sind als “normale Banken”, weshalb das Hedging teurer werden oder ihnen nicht in gleichem Maß zugänglich sein könnte. Aber auch insoweit stimme ich Dir darin zu, dass ich es zunächst einmal für die Aufgabe der MFIs halte, sich gegen Wechselkursschwankungen zu sichern – ich vermute zudem, dass sie ihre sonstigen Mittel (Kiva-Mittel sind “an sich” begrenzt auf höchstens 30% des Kreditvolumens einer MFI) auch im Wesentlichen in harten Währungen beschaffen müssen und insoweit – jenseits von Spenden – Wechselkursrisiken ausgesetzt sind, mit denen sie umgehen müssen. Kiva hat mE bislang noch keine ausreichenden Daten vorgelegt, warum den MFIs ein eigenes Hedging nicht möglich oder unzumutbar (bspw. zu teuer) ist und ob und in welchem Umfang sie ihre Kreditnehmer mit dem Wechselkursrisiko durch höhere Zinsen belasten. Außerdem blendet Kiva bislang mE den häufigen Zusammenhang zwischen Wechselkurs und Inlandsinflation völlig aus, der uU in den vom Wechselkursrisiko besonders betroffenen Ländern auch höhere Zinssätze (und damit eine Art internes Hedging) “schmerzfrei” erscheinen lässt.
Wie soll dass denn transparent gemacht werden ? Kriege ich zu dem monatlichen Rückzahlungsreport auch die momentane Währungsdifferenz angezeigt .. oder kriege ich gleich nur einen geringeren Teil im Monat zurück .. oder wird alles auf die Gesamtsumme gerechnet ?
Leider wird es nicht auf die Gesamtsumme gerechnet, sondern monatlich festgestellt und von vornherein entsprechend weniger ausgezahlt, ohne spätere Kompensationsmöglichkeit. Details sind im Help Center auf Kiva zu finden.
Kurzzusammenfassung: Der Vergleichskurs wird über http://www.xe.com an dem Tag festgelegt, an dem der Kredit erstmals auf Kiva veröffentlicht wird. Dann wird am jeweiligen “Rechnungstag” (15. des Monats nach Zahlung durch den Kreditnehmer) für jede Rückzahlung der aktuelle Kurs (wieder: auf der Basis von http://www.xe.com) mit dem Vergleichskurs verglichen. Wurde der $ gegenüber dem Vergleichskurs um mehr als 20% aufgewertet, muss die MFI in diesem Monat nur einen $-Betrag an Kiva und damit an uns zurückschicken, der sich ergibt, wenn man die ursprünglich in Landeswährung berechnete Rückzahlung mit einem um 20% aufgewerteten $-Kurs umrechnet. Wird die Landeswährung in den Folgemonaten wieder stärker, erfolgt keine Kompensation für diesen Verlust.
Verluste tragen wir also mit, evtl. Gewinne behalten sie selber.
Klingt nach einer lustigen Zeit … für MFI’s.
Jein. Zum einen werden mehr als 20%ige Aufwertungen der örtlichen Währungen gegenüber dem $ vermutlich eher selten sein (wenn auch bei weitem nicht ausgeschlossen), zum anderen ist insoweit ein Problem, dass Kiva das Geld jedenfalls wohl nicht an die Kreditgeber ausschütten kann, weil Kiva dann (wohl, bin kein Experte) aus Sicht der SEC zum Investment würde und eine Reihe von zusätzlichen Regulations etc. erfüllen müsste.
Das lässt für mich nur einen Schluss zu:
Wenn ich das nicht tragen will, darf ich mir keinen interessanten Menschen aussuchen dem ich was leihen will (um das gehts ja eigentlich), sondern er muß auch noch einen MFI haben, der Währungsschwankungen NICHT an uns weitergibt.
Richtig. Leider haben sehr viele “gute” MFIs sich dem Programm bereits angeschlossen oder dies angekündigt und werden nach Einschätzung von Kiva mehr folgen. Eine vorläufige Liste findet sich hier:
http://www.kivafriends.org/index.php/topic,3970.msg61437.html#msg61437
Viele Grüße aus Berlin,
Wolfgang.
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